SCHATTWAND - ein Titel, der Programm ist. Programm für einen Thriller, ein Drama, eine Geschichte um Liebe und Macht. Mit Jan 'Severin' Somm als Helden führt Augstburger uns aus dem elektronischen Zeitalter zurück in die Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg in ein Dorf namens Gspona hoch oben in den Bergen und nahe der italienischen Grenze. Und dort sperrt er uns mitten im Winter in ein von der Umwelt abgeschnittenes und von Lawinen bedrohtes Dorf, auf welchem immer noch der Fluch einer längst vergessen geglaubten Geschichte lastet.
Menschen ohne Gesichter, ein Dorf, das im Schnee erfriert, die unfassbare Schattwand - als Severin Somm in Gspona eintrifft, ahnt er schon, dass die Flucht vor seinem bisherigen Leben hier endet. Ein entfernter Bekannter hat ihm in Gspona ein Haus vererbt. Zu seiner Ueberraschung steht es nicht leer. Die unnahbare Bewohnerin, Lucrezia Camminada, geniesst sogar Wohnrecht auf Lebzeiten. Wohl oder übel richtet sich Severin Somm in der anderen Hälfte des Gebäudes ein. Bei seinen ersten Erkundungen stösst er auf ein zugemauertes Zimmer. Er findet Frauen- und Kinderkleider, Spielzeug, einen Stapel alter Skizzenbücher. Die Zeichnungen stammen von der Frau des früheren Besitzers. Es sind die Bilder einer grossen Liebesgeschichte, Dokumente eines Frauenschicksals in den Fünfziger Jahren.
Lawinenniedergänge schneiden Gspona von der Umwelt ab. Severin Somm nimmt die letzte Chance zur Flucht nicht wahr. Die Rückkehr in sein früheres Leben ist unmöglich. Die unaufhörlichen Schneefälle schränken seinen Bewegungsradius immer mehr ein, bis er und Lucrezia im Haus gefangen sind. Gegensätze und Welten prallen aufeinander. Genau wie bei Severins Rekonstruktion der Vergangenheit. Er verliert sich immer mehr in den Zeichnungen, in den Bergmythen, die sie heraufbeschwören, im Leben der unbekannten Künstlerin. Er erfährt, wie sie und ihr Mann Gspona der Welt hatten öffnen wollen, und wer die Familie deswegen ins Verderben stürzte. Peider Capun, der Sohn des vermeintlich Schuldigen, lebt noch immer im Tal. Als Lawinenwart ist Capun verantwortlich für die Sicherheit der Eingeschlossenen. Er entpuppt sich als Geliebter von Lucrezia. Auch deren Familie, findet Severin heraus, hatte in Gspona gelebt, damals, an jenem Tag vor Jahrzehnten, an dem die Wand ihren Schatten auf das Dorf warf und die Gsponer ihr Gesicht verloren.
bilgerverlag, 2001, VERGRIFFEN. Nur noch als Taschenbuch bei dtv lieferbar: 15.90
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